Risikofaktoren
Die Osteoporose kann vielfĂ€ltige Ursachen haben. Die medizinische Forschung hat inzwischen ĂŒber 20 klinische Risikofaktoren identifiziert. Nicht jeder Risikofaktor fĂŒhrt zwangslĂ€ufig zu einer Osteoporose. Meist sind es mehrere Faktoren, die zu einem individuellen Risikoprofil fĂŒhren.
Testen Sie Ihr persönliches Risiko
Die folgende Aufstellung ist aufgrund ihrer Ăbersichtlichkeit so gewĂ€hlt. Wir beschreiben
- Risikofaktoren, die Sie nicht Àndern können,
- Risikofaktoren, die Sie beeinflussen können,
- Risikofaktoren, die Sie mit Ihrem Arzt besprechen mĂŒssen,
- Sturzrisikofaktoren.
Einige Risikofaktoren lassen sich nicht eindeutig voneinander abgrenzen. Beispielsweise ist es nicht allein das kalendarische Alter, das zu einer Abnahme der Knochendichte und zu einem erhöhten Erkrankungsrisiko fĂŒhrt. Vielmehr spielt auch die mit dem Alter in Umfang und IntensitĂ€t abnehmende körperliche AktivitĂ€t eine wesentliche Rolle fĂŒr die Lebenslinie des Knochengewebes.
Risikofaktoren, die Sie nicht Àndern können
- Alter
- genetische Disposition
- körperliche Konstitution
- Geschlecht
Alter
Etwa ab dem 40. Lebensjahr ĂŒberwiegt der Knochenabbau. Der natĂŒrliche Knochenmineralgehalt nimmt dann um 0,5% bis 1% pro Jahr ab. Man schĂ€tzt, dass sich das Frakturrisiko mit jedem Lebensjahrzehnt verdoppelt. Wann die Risikozone fĂŒr KnochenbrĂŒche erreicht wird, ist ohne Knochendichtemessung nicht bekannt. Sie ist abhĂ€ngig von der individuellen Spitzenknochenmasse und weiteren Risiko- und Schutzfaktoren. Die Lebenslinie der Knochenentwicklung folgt biologischen GesetzmĂ€Ăigkeiten; der Hinweis auf das kalendarische Alter kann daher nur ein AnnĂ€herungswert sein. Insgesamt sind in Deutschland 26% der Generation 50+ von Osteoporose betroffen, insgesamt 7,8 Millionen Menschen.
Genetische Disposition
Die medizinische Forschung hat Gene identifiziert, die die Spitzenknochenmasse in engen Grenzen festlegen. Damit wird verstĂ€ndlich, dass sich das Knochenbruchrisiko auf die nachfolgende Generation vererben kann. HĂŒftnahe KnochenbrĂŒche bei den Eltern sind ein Hinweis auf dieses bestehende Knochenbruchrisiko. Extreme Mangelsituationen in der ErnĂ€hrung (Untergewicht, Vitamin D â und Calciummangel) und in der motorischen Entwicklung (Immobilisation durch Krankheit, fehlende Bewegungsreize) können das genetische Potenzial in der Wachstumsphase verringern und das Erkrankungsrisiko im Alter steigern.
Körperliche Konstitution
Von Geburt an sehr schlanke Menschen haben weniger Knochenmasse. Als MaĂ dient der so genannte Body Mass Index, der das Körpergewicht in Relation setzt zur KörpergröĂe. Ein Body Mass Index (Körpergewicht in kg / (KörpergröĂe in m)2) unter 20 stellt ein erhöhtes Osteoporoserisiko dar.
Geschlecht
Nach aktuellen Hochrechnungen sind in Deutschland Frauen etwa 5x hĂ€ufiger erkrankt als MĂ€nner. Von den 7,8 Millionen Menschen mit einer Osteoporose sind 6,5 Millionen Frauen und nur 1,3 Millionen MĂ€nner. Frauen haben bei gleichem Lebensalter und T-Wert der Knochendichte ein etwa doppelt so hohes Risiko fĂŒr osteoporotische Frakturen als MĂ€nner. Ausschlaggebend dafĂŒr ist die besondere hormonelle Situation der Frauen, insbesondere der Ăstrogenmangel nach den Wechseljahren. Die postmenopausale Osteoporose ist eine der hĂ€ufigsten Formen.
Aber: Osteoporose ist kein zwangslÀufiges Schicksal!
Es gibt viele Risikofaktoren, die Sie selbst beeinflussen können. Bereits vor ĂŒber 30 Jahren war in Global 2000, dem Bericht an den damaligen US-PrĂ€sidenten Jimmy Carter zu lesen:
âUrsachen der Krankheiten und UnfĂ€lle, die sich fĂŒr die meisten TodesfĂ€lle und lĂ€nger andauernden Gesundheitsstörungen in den wohlhabenden Gesellschaften verantwortlich zeigen, sind zum gröĂten Teil von Lebensstil und Umwelt abhĂ€ngig.â
Risikofaktoren, die Sie beeinflussen können
- Bewegungsmangel
- extremes Ăbergewicht
- extremes Untergewicht
- falsches ErnÀhrungsverhalten
- Nikotin
- ĂŒbermĂ€Ăiger Alkoholkonsum
- Polymedikation
Bewegungsmangel
âWer rastet, der rostet!â Was der Volksmund schon lange sagt, scheinen viele Menschen nicht zu hören oder nicht hören zu wollen. Bereits im Jahr 1996 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Bewegungsmangel und seine Folgen zur gröĂten GesundheitsgefĂ€hrdung fĂŒr den Menschen im 21. Jahrhundert erklĂ€rt. Fast drei Viertel aller heutigen Gesundheitsprobleme und die daraus resultierenden Krankheitskosten sind auf die so genannten Zivilisationskrankheiten zurĂŒckzufĂŒhren. Und es ist offenbar nicht nur ein Problem der Industrienationen. Nach Angaben der WHO bewegen sich 80% der Erwachsenen weltweit nicht ausreichend. Der frĂŒhere UN â GeneralsekretĂ€r Kofi Annan hat dieses Bewegungsdefizit als âEpidemie des ungesunden Lebensstilsâ bezeichnet. Auch fĂŒr den Knochen ist belegt, dass Bettruhe, ImmobilitĂ€t und körperliche InaktivitĂ€t den Knochenabbau begĂŒnstigen.
Extremes Ăbergewicht
Fettleibigkeit ( Body Mass Index > 40) und das metabolische Syndrom sind unmittelbare gesundheitliche Konsequenzen des Bewegungsmangels in Verbindung mit einer Fehl- und ĂberernĂ€hrung, wie es immer hĂ€ufiger schon bei Kindern und Jugendlichen zu beobachten ist. Was auf den ersten Blick als natĂŒrliches Polster bei StĂŒrzen und Schutz vor Verletzungen darstellt, birgt ein unsichtbares Risiko: Körperliche AktivitĂ€t und Bewegung fĂ€llt zunehmend schwerer, der Bewegungsradius ist eingeschrĂ€nkt, es kann zu einer sogenannten InaktivitĂ€tsosteoporose fĂŒhren. Und ĂŒbergewichtige Menschen bewegen sich im wörtlichen Sinne schwerfĂ€lliger, die muskulĂ€re Leistung reicht nicht mehr aus, das hohe Körpergewicht auszubalancieren und die Angst zu stĂŒrzen, steigt mehr und mehr an.
Extremes Untergewicht
Aber auch das andere Extrem erhöht das Risiko, eine Osteoporose zu entwickeln. Das durch die Ăffentlichkeit und Presse geprĂ€gte Schönheitsideal der Frau (âGermanyÂŽs Next Topmodelâ ist ein aktuelles Beispiel) oder die Anforderungen des Hochleistungssports fĂŒhren gerade bei MĂ€dchen und jungen Frauen zu einem gestörten Essverhalten ĂŒber lĂ€ngere Zeit und erhöhen das Risiko fĂŒr Untergewicht und fĂŒr hormonelle Störungen. Das Fettgewebe ist ein wichtiger Produktionsort und Speicher fĂŒr die Sexualhormone, vor allem fĂŒr Ăstrogen. Untergewichtige Menschen haben hĂ€ufig zu niedrige Hormonspiegel und neigen deshalb zu Osteoporose. Bei Essstörungen wie Magersucht und Bulimie kommt es zu schweren Störungen im Hormonhaushalt â erkennbar am Ausbleiben der Monatsblutung â als Zeichen, dass zu wenig Sexualhormone produziert werden. Dadurch reduziert sich die Knochendichte und Osteoporose kann sogar schon bei jungen Frauen entstehen.
Falsches ErnÀhrungsverhalten
Der Knochen lebt von der Bewegung. FĂŒr den Knochenaufbau muss ihm aber das notwendige Baumaterial zur VerfĂŒgung stehen. Der Knochen ist ein Calciumspeicher. Calcium wird aber auch fĂŒr viele StoffwechselvorgĂ€nge benötigt. Bekommt unser Organismus nicht genĂŒgend Calcium, wird auf den Calciumspeicher zurĂŒckgegriffen und Knochen abgebaut. Die Calciumaufnahme im Darm und der Transport in die Knochen werden durch Vitamin D gefördert. Das Vitamin D unterstĂŒtzt gleichzeitig die Muskelfunktion und fördert dadurch indirekt die mechanische Belastung des Knochens. Der Mangel an Calcium und Vitamin D sind anerkannte Risikofaktoren einer Osteoporose. Weitere ernĂ€hrungsbedingte Risiken stellen ein Mangel an Proteinen (EiweiĂen), ein weiterer Baustoff des Knochengewebes, und Kalium (es reguliert die Calciumausscheidung ĂŒber die Nieren), sowie eine erhöhte SĂ€urelast des Organismus dar. Empfohlen wird auĂerdem die ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 und FolsĂ€ure. Genussmittel wirken sich zumeist ungĂŒnstig auf die Calciumbilanz aus.
Nikotinkonsum
Nikotin ist ein moderater Risikofaktor fĂŒr Osteoporose. Nikotin sollte grundsĂ€tzlich vermieden werden. Raucherinnen kommen durchschnittlich 2 Jahre frĂŒher in die Menopause, denn Nikotin fördert den Ăstrogenabbau. Nikotin gilt auch als so genannter âCalcium- und VitaminrĂ€uber". Auch könnte Nikotin zu Durchblutungsstörungen des Knochens fĂŒhren.
ĂbermĂ€Ăiger Alkoholkonsum
Ein ĂŒbermĂ€Ăiger Alkoholgenuss kann nicht nur zu einer AbhĂ€ngigkeit, der Alkoholkrankheit fĂŒhren, sondern fĂŒhrt auch zu einer ĂŒbermĂ€Ăigen Ausscheidung von Kalzium ĂŒber die Niere. Ein vermehrter Alkoholgenuss schadet der Magenschleimhaut und stört die Funktion von Magen, Darm und der Verdauungsfunktion der BauchspeicheldrĂŒse, so dass Calzium nicht mehr in ausreichender Menge aus der Nahrung aufgenommen werden kann. Bei Alkoholmissbrauch beobachtet man auch hĂ€ufig eine einseitige und mangelhafte ErnĂ€hrung mit nachfolgender Körpergewichtsabnahme. Alkoholmissbrauch, vor allem hochprozentiger Alkohol im ĂbermaĂ fĂŒhrt auch zu einer Fettleber bis zur Leberzirrhose; es kommt zu einer unzureichenden Aktivierung von Vitamin D. Alkohol kann auch zu einer direkten SchĂ€digung der knochenaufbauenden Zellen, den Osteoblasten fĂŒhren.
Polymedikation
Ăltere Patienten brauchen oft viele Arzneimittel. Statistisch gesehen nimmt jeder Mensch ab dem 60. Lebensjahr im Mittel drei rezeptpflichtige und fast ebenso viele apothekenpflichtige Arzneimittel ein. Jeder Dritte zwischen 75 und 85 Jahren bekommt sogar mehr als acht Arzneimittel verordnet. Die Anwendung von fĂŒnf oder mehr Arzneimitteln gleichzeitig wird hĂ€ufig als Polymedikation, Multimedikation oder Polypharmazie bezeichnet. Die Hauptursache fĂŒr Polymedikation liegt darin, dass Ă€ltere Patienten meist an mehreren chronischen Erkrankungen leiden, die dauerhaft mit Arzneimitteln behandelt werden. Eine Polymedikation kann zu vielfĂ€ltigen Problemen fĂŒhren. Es kommt leicht zu Medikationsfehlern, das Risiko fĂŒr unerwĂŒnschte Arzneimittelwirkungen und das Interaktionspotenzial steigen und es kommt hĂ€ufiger zu VerwirrtheitszustĂ€nden und StĂŒrzen. Zudem kann man eine schlechtere Compliance bei Patienten feststellen.
Risikofaktoren, die Sie mit Ihrem Arzt besprechen mĂŒssen
Wird die Osteoporose durch eine andere Erkrankung oder deren Therapie (mit)verursacht, spricht man von einer sekundÀren Form der Osteoporose. Zu den wichtigsten Risiken gehören:
- Geschlechtshormonmangel (Hypogonadismus)
- Ăberproduktion von Cortisol, Morbus Cushing
- Ăberfunktion der NebenschilddrĂŒse (Hyperparathyreoidismus)
- Langzeitbehandlung ĂŒber mehrere Monate mit Glucocorticoiden (Cortison)
- Schwere chronische Nierenfunktionsstörung (Niereninsuffizienz)
- Diabetes mellitus Typ 1 (insulinpflichtig) und die Behandlung von Diabetikerinnen mit Glitazone
- Malassimilation (verminderte Ausnutzung von NĂ€hrstoffen) unterschiedlicher Ursache, z.B. Zöliakie (GlutenunvertrĂ€glichkeit), Insuffizienz der BauchspeicheldrĂŒse, der Leber und / oder der Galle, Gastrektomie (Magenresektion)
- Einnahme von Antiepileptika
- Organtransplantation
- SchilddrĂŒsenĂŒberfunktion aktuell bzw. eine Ăberdosierung mit SchilddrĂŒsenhormon (TSH < 0,3mlU/l)
- chronisch â entzĂŒndliche Darmerkrankungen, z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa,
die hĂ€ufig mit Glucocorticoiden (Cortison) behandelt werden - entzĂŒndlich â rheumatische Erkrankungen
- Behandlung mit Aromatasehemmern bei hormonabhÀngigem Brustkrebs
Sturzrisikofaktoren
Ein erhöhtes Sturzrisiko kann zu KnochenbrĂŒchen fĂŒhren. Besteht bereits eine verminderte Belastbarkeit des Knochens wie bei einer Osteoporose, dann können bereits BagatellunfĂ€lle im tĂ€glichen Leben KnochenbrĂŒche verursachen. UngefĂ€hr ein Drittel der Menschen ĂŒber 65 Jahren stĂŒrzt mindestens einmal pro Jahr; die Sturzrate steigt mit dem Alter weiter an. Etwa 60 â 70% der GestĂŒrzten stĂŒrzen innerhalb der folgenden 12 Monate erneut. Einer unter fĂŒnf bis zehn StĂŒrzen Ă€lterer Menschen hat Verletzungen zur Folge, einer unter 20 bis 30 StĂŒrzen fĂŒhrt zu einer Fraktur und etwa 1% der StĂŒrze fĂŒhrt zu einer hĂŒftgelenksnahen Fraktur. KnochenbrĂŒche fĂŒhren zu Schmerzen, FunktionseinschrĂ€nkungen und bei etwa 50% der Betroffenen zu Behinderung und PflegebedĂŒrftigkeit. Neben diesen körperlichen Folgen eines Sturzes berichten bis zu 70% der Ă€lteren Sturzpatienten ĂŒber Angst vor weiteren StĂŒrzen, einen dadurch bedingten Verlust von Selbstvertrauen in die eigene körperliche LeistungsfĂ€higkeit, einer zunehmenden EinschrĂ€nkung der AktivitĂ€ten des tĂ€glichen Lebens. Ein Teufelskreis entsteht und fĂŒhrt zu einem weiteren Verlust lokomotorischer FĂ€higkeiten (Balance- und GehfĂ€higkeit).
KnochenbrĂŒche durch StĂŒrze zu verhindern, ist das Ziel aller prĂ€ventiven und therapeutischen Interventionen.  Nach einem Sturz sollte eine genaue Sturzrisikoanalyse erfolgen, wann und wie sich der Sturz ereignet hat. Mögliche Sturzursachen geben erste Hinweise auf zugrunde liegende Risikofaktoren.
Aus diagnostischen und therapeutischen GrĂŒnden erweist sich die Einteilung in
- synkopale StĂŒrze,
- extrinsische StĂŒrze und
- lokomotorische StĂŒrze
als zweckmĂ€Ăig. Allerdings kann die Zuordnung im Einzelfall schwierig sein.
Synkopale StĂŒrze
Etwa 10% der StĂŒrze werden durch eine Synkope verursacht, eine plötzlich einsetzende, oft nur Sekunden andauernde Bewusstlosigkeit, die mit einem Verlust der Haltungskontrolle einhergeht. Umgangssprachlich wird eine Synkope als Kreislaufkollaps bezeichnet. Ursachen können Schwindel, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckschwankungen, eine plötzliche HypoglykĂ€mie (Unterzuckerung) oder eine transitorische ischĂ€mische Attacke (Vorstufe zum Schlaganfall) sein.
Extrinsische StĂŒrze
Weitere 5% der StĂŒrze sind auf Risiken im persönlichen Umfeld und Umgebungsbedingungen zurĂŒckzufĂŒhren. Ein aktuelles Beispiel war die hohe Sturzrate bei Glatteis und unzureichender RĂ€umung der Gehwege im Winter 2009 / 2010.
Lokomotorische StĂŒrze
Die Mehrzahl der StĂŒrze (mehr als 80%) sind so genannte lokomotorische StĂŒrze. Die Ursache sind Funktionsdefizite bei alltĂ€glichen TĂ€tigkeiten, die zu einer Ăberforderung der Gleichgewichtsregulation des Körpers fĂŒhren. HĂ€ufig gibt es mehrere Ursachen, die in ihrer Gesamtheit zu einer ungenĂŒgenden Gleichgewichtsreaktion fĂŒhren.
In dem vom Deutschen Netzwerk fĂŒr QualitĂ€tsentwicklung in der Pflege herausgegebenen Standard âSturzprophylaxe in der Pflegeâ wird zwischen intrinsischen und extrinsischen Risikofaktoren unterschieden. Je mehr Risikofaktoren zusammentreffen, desto höher ist das Sturzrisiko.
Intrinsische Risikofaktoren
= Faktoren, die die sturzgefÀhrdete Person mit sich bringt
- Bewegungsbezogene FunktionseinbuĂen und FunktionseinschrĂ€nkungen:
- Probleme mit der Körperbalance und dem Gleichgewicht;
- GangverÀnderungen und eingeschrÀnkte BewegungsfÀhigkeit;
- Erkrankungen, die mit verÀnderter MobilitÀt, Motorik und SensibilitÀt einhergehen, wie z.B. nach Schlaganfall, bei Parkinson, diabetischer Polyneuropathie.
- SehbeeintrÀchtigungen:
- Das Sehen ist der Grundpfeiler fĂŒr das Halten des Gleichgewichts; durch eine beeintrĂ€chtigte SehschĂ€rfe und TiefenschĂ€rfenwahrnehmung wird es erschwert, GegenstĂ€nde im Schatten oder auch in sehr hellen Bereichen zu erkennen; somit ist die Sturzgefahr erhöht.
- BeeintrÀchtigungen von Kognition und Stimmung:
- eine eingeschrÀnkte Kognition, Verwirrtheit, Demenz und Depressionen wirken sich negativ auf Wahrnehmung und EinschÀtzungsfÀhigkeit der Umgebung aus.
- Erkrankungen, die zu kurzzeitiger Ohnmacht fĂŒhren können:
- HypoglykÀmie (bei Diabetes mellitus, nach lÀngerer Nahrungskarenz);
- haltungsbedingte Hypotension (z.B orthostatische Hypotension beim Aufrichten aus der RĂŒckenlage);
- Herzrhythmusstörungen (z.B. bei TrÀgern von Herzschrittmachern);
- TIA (Transitorische ischÀmische Attacke; Minderdurchblutung des Gehirns);
- Epilepsie;
- Patienten mit diesen Erkrankungen sollten besonders beobachtet werden, da StĂŒrze bei einem akuten Ohnmachtsgeschehen selten verhindert werden können.
- Inkontinenz, Diarrhöen, Hilfebedarf bei den ToilettengÀngen:
- Besonders in Kombination mit anderen Risikofaktoren, wie Gangunsicherheiten und SehbeeintrÀchtigungen von Bedeutung.
- Angst vor StĂŒrzen:
- Vorkommen bei Menschen, die schon einmal gestĂŒrzt sind, aber auch bei Menschen, die bisher noch nicht gestĂŒrzt sind;
- Sturzangst besonders in Kombination mit Alter und AktivitÀtseinschrÀnkung weisen auf das Vorliegen von Sturzrisikofaktoren hin; Sturzangst kann bestehende Risikofaktoren erhöhen oder zusÀtzliche Risikofaktoren auslösen.
- Sturzvorgeschichte:
- Das Vorliegen eines oder mehrerer StĂŒrze in der Vergangenheit geben einen wichtigen Hinweis fĂŒr das Vorliegen einer SturzgefĂ€hrdung; im Zusammenhang mit anderen Risikofaktoren kann hier eine gewisse Vorhersage fĂŒr das Auftreten weiterer StĂŒrze gemacht werden.
Extrinsische Risikofaktoren
= Faktoren, die von auĂen auf die Person einwirken
- Verwendung von Hilfsmitteln zur MobilitÀt:
- Hilfsmittel wie Gehstöcke und UnterarmgehstĂŒtzen werden in der Regel von Personen benutzt, die in ihrer BewegungsfĂ€higkeit eingeschrĂ€nkt sind; diese Hilfsmittel können das Sturzrisiko verringern, aber nicht vollstĂ€ndig beseitigen; somit liegt bei diesen Personen eine potenzielle SturzgefĂ€hrdung vor.
- Schuhe und Kleidung:
- zur Sturzgefahr durch bestimmte Kleidung und Schuhe besteht ein weiterer Forschungsbedarf;
- das An- und Ausziehen erhöht das Sturzrisiko, besonders bei Vorliegen weiterer bewegungsabhÀngiger Risikofaktoren;
- bei der Mobilisation kann das Sturzrisiko wahrscheinlich durch das richtige Schuhwerk minimiert werden.
- Medikamente:
- bei der Einnahme von Sedativa / Hypnotika, Psychopharmaka, Antiarrythmika und Diuretika ist von einem erhöhten Sturzrisiko auszugehen, obwohl auch hier noch weiterer Forschungsbedarf besteht; besonders bei Kombination verschiedener Medikamente (4 â 5) ist eine ĂberprĂŒfung der Medikamente und ihre Dosierung sinnvoll, um eine Erhöhung des Sturzrisikos zu ermitteln und sturzrelevante Nebenwirkungen zu verringern.
- Gefahren in der Umgebung:
- schlechte Beleuchtung, mangelnde Haltemöglichkeiten, glatte Böden, steile Treppen und âStolperfallenâ, wie Teppichkanten;
- die Gefahren in der Umgebung im Zusammenhang mit der Sturzgefahr sind noch nicht ausreichend erforscht; es wird aber davon ausgegangen, dass sie nur von sekundÀrer Bedeutung sind; es ist wahrscheinlich, dass ein Sturz durch die Kombination vorliegender Risikofaktoren und Gefahren in der Umgebung ausgelöst wird.
